Ein Kreuzzug zum 111-jährigen Jubiläum der Bierfamilie Choli
Das aus Markus Reber v/o Homer und Gregor Wild v/o Cicero bestehende Organisationskomitee dachte sich ein ziemlich aussergewöhnliches Motto für den Anlass zu Ehren des 111-jährigen Bestehens der Bierfamilie Choli, der grössten Bierfamilie der Wengia, aus: Einen Kreuzzug. Ganz im Sinne des § 111 des Biercomments sollte das studentische Gedankengut nicht nur urbi, sondern et orbi gepflegt werden. Organisiert war eine Fahrt mit Ross und Wagen im schönen Bucheggberg von Kreuz zu Kreuz. Spätestens seit dem am 2. September 2007 durchgeführten Anlass ist es klar: Petrus ist nicht nur Wengianer, sondern auch Cholianer! Bei spätsommerlichem wunderschönem Wetter fand sich - passend zur gefeierten Jubliäumszahl - um 11:11 Uhr eine ansehnliche Schar von etwas über zwei Mal elf Wengianern, davon etwa zwei Dritteln Cholianer, auf dem Friedhofplatz ein, um unter freiem Himmel einen Frühschoppen zu zelebrieren. Chef-Kreuzritter Homer begrüsste die Anwesenden herzlich. Nachdem der Eröffnungskantus noch eher verhalten verklang, trugen päpstlich-bayrisches Weissbier, Brez’n und Weisswürste dazu bei, dass die folgenden Kanten um einiges schwungvoller ertönten.
Zu Mittag („high noon“) war der Auftritt des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche angekündigt. Zuoberst auf dem Treppenabsatz beim Eingang zu unserem Stammlokal wurde ein grosser Thron aufgestellt. Auf dessen Rückenlehne war ein grosses H! eingekerbt – es handelte sich zweifelsfrei um den legendären „heiligen Stuhl“! Kurz darauf erschien – im martialischen Rittertenue gekleidet - Papst Gregor, genannt ferox (der Wilde). In einer in perfektem Bernburgerdeutsch vorgetragenen theologisch-philosophischen exegetischen Rede rief dieser hochoffiziell zum Kreuzzug auf (siehe den in dieser Nummer separat abgedruckten
Aufruf). Nach diesem Appell und nach dem Motto: „Bella gerunt alii, tu felix Cholia bibe – Deus lo vult!“ verspürten die Anwesenden den Drang, die behütete Heimat zu verlassen und gegen ihr Jerusalem loszuziehen. Vor dem Verlassen der Stadtmauern besichtigte die Corona unter der kompetenten Führung von Max Wild v/o Tiki die St. Urban-Kapelle in der Hinteren Gasse. Zu allgemeinen Enttäuschung erfuhren wir, dass das von aussen unscheinbare, von innen aber überaus schmucke Gotteshaus gar nicht Papst Urban II geweiht ist, welcher erstmals zum Kreuzzug aufrief, sondern Papst Urban V. Inspiriert ob dieser Einkehr, waren darauf sämtliche Kreuzritter für den Auszug bereit. Vor dem Bieltor warteten zwei zweispännige Pferdewagen, mit welchen man darauf ins Land zog. Ein Kreuzzug lässt sich nicht aufhalten. Schon gar nicht von Absperrungen der Stadtpolizei. In der Stadt fand der sog. „Swiss walking event“ statt. Tausende Frauen bewegten sich mit Skistöcken (aber ohne Ski) durch die Stadt. Die Cholianer liessen sich jedoch von diesen „Stockenten“ nicht beeindrucken und fuhren mit ihren beiden Zweispännern durch die Altstadt. Das zahlreiche Publikum war von der Corona und deren Gesang sichtlich beeindruckt und erfreut!
Die vermeintlich erste Station sollte das Restaurant Kreuz zu Solothurn werden. Doch aufgrund des Umstandes, dass es sich dabei um jenen Ort handelt, wo sich die Ungläubigsten der Ungläubigen aufhalten, wurde überhaupt erst auf einen Versuch der Bekehrung verzichtet. Stattdessen versorgte uns Christoph Venetz v/o Pascha aus seiner nicht fern gelegenen Taverne zum Krug mit ausreichend Wegzehrung. Ohne austrocknen zu müssen, ging es dann über den Klosterplatz und die Kreuzackerbrücke weiter, hinaus aus der Urbs gegen den Spitalhof und den Stadtwald. In der zunehmend ländlichen Umgebung wuchs nicht nur der Durst, sondern auch die Sangeslust der Teilnehmenden. So verklang Kantus nach Kantus, teils sogar im Kanon zwischen den Pferdewagen. Zum 111 jährigen Jubiläum der Bierfamilie Choli wurde eine neue Bierfamilienhymne vorgestellt, deren Refrain wie folgt lautet:
„Da sind wir dabei, das ist prima - vivat Cholia!
Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust,
Wir glauben an den lieben Gott und haben immer Durst!“
Nachdem wir Lüsslingen und Nennigkofen passiert und selbstverständlich auch bekehrt hatten, zog der Tross weiter gegen Lüterkofen. Dort endlich angekommen, gerade noch rechtzeitig vor der Versiegung der letzten Tropfen unserer Wegzehrung, leuchtete sie vor uns auf: die Gartenwirtschaft des Restaurants Kreuz zu Lüterkofen. Dort wurde sogleich ein liturgisch einwandfreier Vesperkommers einberufen. Aktivpräsident Lukas Künzler v/o Silius orientierte die Anwesenden über die verheissungsvolle Reinkarnation der Aktivitas. Habemus Activitatem! Gratulamur!
Viel zu bald hiess es den paradiesischen Garten wieder zu verlassen, um immer noch mit Ross und Wagen weiter zu ziehen. Von Lüterkofen führte der Kreuzzug immer tiefer in den protestantischen Buechibärg hinein, gegen Tscheppach. Auf der grossen Treppe des dortigen Restaurants Kreuz, welches zu diesem Zeitpunkt leider noch geschlossen war, stellten sich die Kreuzritter zu einem würdigen Erinnerungsfoto auf. Angesichts der spürbaren Nähe unseres Zieles Jerusalem (vormals Mühledorf) wurde die Stimmung indes immer besser. Vom Kreuz in Tscheppach bis zu jenem in Mühledorf, auch bekannt als die „Lätt-Gruebe“, waren es bloss noch knappe drei Vatikanlängen. Dort angekommen empfingen uns der Wirt Rudolf Lätt v/o Gruebe und sein Team herzlich und offerierten einen süffigen Messwein im Kreuzgarten. Obwohl in der vorangegangen Woche Gruebes Bruder Peter v/o Schoppe leider verstorben war, hat Gruebe darauf bestanden, dass der Anlass wie geplant bei ihm durchgeführt wurde. Gruebe sei an dieser Stelle vielmals für seinen herzlichen Empfang und die grosszügige Bewirtung gedankt. Im Anschluss an den Apéritif wurde ein reichhaltiges Bankett dargeboten. Ein weiterer Höhepunkt dieses sehr erlebnisreichen Tages. Glücklich ob des erfolgreichen Kreuzzuges und ob der Vorzüge Jerusalems klang der Abend für die einen früher, die anderen etwas später so langsam aber sicher aus.
Cholia – vivat, crescat, floreat: Deus lo vult!
Simon Kürsener v/o Lincoln
Fotografien
Besammlung und Verpflegung vor unserem Misteli
Die kreuzfahrenden Wengianer holen sich den Segen in der St. Urbanskapelle
... und es geht zum Kreuz in Solothurn!